HJM on Tour: Produkttests in der Georgischen Wildnis

Wenn man auf eine Abenteuer-Tour mit einer Sportenduro geht, ist eigentlich leichtes Gepäck angesagt. Ein wenig Werkzeug, Protektorkleidung und ein paar Klamotten zum Wechseln. Bei uns war das anders. Wir stehen mit Übergepäck am Lufthansaschalter in Bremen. Eine große Transportbox ist voller neuer Produkte, die wir einem Härtetest unterziehen wollen, bevor sie in unser Programm genommen werden. Als Testgelände haben wir uns Georgien ausgesucht. Der Grund: In der georgischen Savanne, die bis nach Aserbaidschan reicht, erwarten uns Temperaturen bis über 35 Grad, im Kaukasus-Gebirge, das wir bis zur russischen Grenze überqueren wollen, liegt ewiger Schnee.

Auf dem Weg in den Kaukasus
Die Georgische Savanne
An der russischen Grenze

HJM on Tour. Das ist unser Härtetest für Maschinen und Equipment. Wir stehen mit unseren Crossstiefeln nicht eine Stunde in einem Wassereimer, sondern durchqueren Flüsse, waten durch tiefen Schlamm und schreddern Geröllhügel rauf und runter. Wir haben über 30 Produkte dabei, vom Stiefel bis zum Helm und testen auch die aktuellen KTM-Modelle aus der EXC-F-Reihe. Mit von der Partie ist Marvin, 23-jähriger Motocrossfahrer. Er lässt vom ersten Tag an die neue 450 EXC fliegen und sie erweist sich, wie die kleineren Hubräume auch, als vielseitige Sportenduro. Sie nimmt nicht nur schwerste Hindernisse mit Leichtigkeit und lässt sich elegant um engste Kurven zirkeln – auch als Offroad-Reise-Motorrad trägt sie uns eine harte Woche über hunderte Kilometer auf gemischtem Untergrund. Das breite Drehzahlband der großen Hubräume ermöglicht souveränes Handling auch an steilsten Auffahrten und bietet Reserven ohne Grenzen. Die KTM-Leihmaschinen haben wir in einigen Details umgebaut. Mit tieferen Rasten gewinnen wir nach unten 3 Zentimeter, mit Lenkererhöhungen nach oben 5 cm. So können auch die langgewachsenen Nordlichter bequem stundenlang im Stehen fahren und haben am nächsten Tag keine Rückenprobleme.

Neben den ultimativen Enduroreifen Metzeler 6-Days Extreme, die unter allen Bedingungen exzellente Leistung bieten, testen wir in den Extrempassagen des Kaukasus auch die Mefo Stonemaster. Und sie machen ihrem Namen alle Ehre. Auch nach hunderten Kilometern brutalsten Gerölls ist das Profil noch gut und sie haben keine Schäden an der Karkasse erlitten. Erst in den schlimmsten Lehmpassagen rund um Tiflis versagt auch die hohe Selbstreinigungsfähigkeit der Stonemaster. Für den Gebrauch in unseren norddeutschen Weichböden sind sie nicht gedacht – wer aber auf steinigem Untergrund fährt, genießt die Traktion und Haltbarkeit der Mefos, die auch auf der Straße eine gute Figur machen, wie wir bei unserer Etappe über die alten sowjetischen Panzerstraßen in Richtung Russland erfahren können.

Testen bis zum Ankommen: Mefo Stonemaster
Hier versagt sogar die hohe Selbstreinigungsfähigkeit der Stonemaster.

Plattfüße haben wir dennoch. Marvin fängt sich bei einem weiten Sprung einen Snake-Bite ein (dabei wird der Reifen mit einer harten Kompression bis auf die Felge gedrückt und der Schlauch wird an den Felgenrändern beschädigt). In der Hitze der georgischen Savanne wird der Schlauch getauscht – gegen unsere bevorzugte 4 mm dicke Variante, die doppelt so dick ist wie die Standardschläuche. Alle Maschinen, die auf unserer Tour die dicken Schläuche haben, bleiben von Plattfüßen verschont. Der Reifenwechsel bietet uns gleich die nächste Testoption: Statt der bekannten Miniluftpumpe, mit der man von Hand gefühlt tausende Hübe braucht, um einen Druck von einem Bar aufzubauen, setzen wir jetzt auf unsere Mini-Fußpumpe mit digitalem Manometer. Damit ist auch der Hinterreifen ohne viel Kraftaufwand schnell wieder unter Druck.

Umrüstung auf 4 mm Schläuche
Reifenwechsel in der georgischen Savanne
Held Jacke: In der Hitze der Savanne

Generell erweist sich das Wetter wie erwartet als optimales Testszenario. In der heißen Savanne bewähren sich die Held-Jacken mit ihren großzügigen Ventilationsöffnungen und den SAS-Protektoren. Der neue HJC Crosshelm überzeugt mit der guten Belüftung, dem geringen Gewicht, einem guten Tragekomfort und einer geringen Geräuschentwicklung. So wie der Fahrer sich über Ventilationsöffnungen an Jacke und Helm freut, so genießt die EXC den nachgerüsteten Lüfter, der in langsamen Passagen unter Last dem Kühlmittel wohltuenden Wind beschert. 

Manövriert haben wir oldschool mit Karte und Kompass sowie mit dem aktuellen Garmin Montana, das auch bei echtem Offroad sehr gute Dienste leistet. Die kostenlosen OSM-Karten lassen sich aus dem Internet laden. Neben dem flexiblen RAM-Mount, mit dem das Navi fix montiert ist, überzeugt auch die Energieversorgung: ist der Lithium-Akku einmal leer, kann man einfach Mignon-Batterien oder Akkus einsetzen, derweil der Serien-Akku im Rucksack von der KTM-Powerbank wieder aufgeladen wird.

Für alle Abenteurer, die auch mal lange Strecken fahren, erwiesen sich die Held Handschuhe Backflipp als Wohltat: Sie verhindern erfolgreich die Blasenbildung an den Händen – sogar ohne Palmprotektoren! Diese haben wir nur an den extremen Tagen getragen, um unsere Hände vor Hornhaut- und Blasenbildung zu schützen.

Kältetest für Mann, Maschine und Klamotten

Als uns unsere Tour in die Höhen des kaukasischen Gebirgsmassivs führt, zeigt der Einspritzer der 450, dass er auch in über 3.000 Metern wunderbar ruhig und kraftvoll läuft. Auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und bei Fahrten durch den Schnee lief die EXC wie am Schnürchen. Bei diesen Temperaturen musste die Heldjacke verriegelt werden und als der Regen auf dem Weg an die russische Grenze einsetzte, war es Zeit, die Büse-Regenjacke und -Hose auszupacken. Der gelbe Sicherheitsstreifen der Jacke und die Reflektoren waren bei der Fahrt durch Nebel, Regen und unbeleuchtete Tunnel weithin sichtbar und sorgten für etwas mehr Sicherheit auf den Straßen und Pisten, die bisweilen mehr aus Schlaglöchern denn aus einer Fahrbahndecke zu bestehen schienen. Für die Enduros kein Problem – nur die Sichtverhältnisse machten die Orientierung schwer. Die ältere Fraktion im Testpool – alles Brillenträger – hatten das Glück, eine OTG-Brille von 100% testen zu können (OTG = Over the Goggle = über der Brille). Sie ist so konstruiert, dass die normale Brille bestens darunter zu tragen ist.

Wir haben auf unserer Test-Tour viele weitere Produkte ausprobiert. Nicht alle haben uns gefallen und nicht alle haben die Reise überstanden. Die überzeugenden Lösungen haben wir hier nochmal im Testprotokoll zusammengefasst, die nicht so überzeugenden nehmen wir gar nicht erst ins Programm auf.

Ausrüstungsliste

Motorrad: KTM EXC-F 450 / 350: perfekte Maschine für sportliche Kurztripps, Endurorennen, aber auch ausgedehnte Endurowanderungen in jedem Gelände. Empfehlenswert: die Nachrüstung des Lüfters. Für große Fahrer (ab 185 cm), tiefere Rasten und Lenkererhöhungen.

Reifen: Metzeler 6 Days Extreme und Mefo Stonemaster. Der Metzeler ist der beste Allrounder der Welt. Die Mefo Stonemaster sind irre haltbar und bieten Gripp auf fast allen Untergründen – und auch auf der Straße sicheres Fahrverhalten. Dazu passend: 4 mm dicke Schläuche. Sie verhindern fast vollständig Snake-Bites und bieten auch bei kleineren Stichen deutlich mehr Schutz als die Standard-Schläuche mit 2 mm. Gut montiert macht sich auch das Mehrgewicht kaum bemerkbar.

Bekleidung: Held Jacken mit SAS-Protektoren, Büse Regenkleidung mit Reflektoren. Held Handschuhe mit Handschutz, für extreme Belastung Palm-Protektoren.

HJC Cross-Helm: gut verarbeitet, leicht, bequem, leise, viele Dekorvarianten. 

Offroad-Navigation: Garmin Montana mit Ram-Mount. Die duale Stromversorgung macht das Montana zum Dauerläufer. Mit einer Powerbank lassen sich Akkus auch unterwegs wieder laden.

Crossbrille für Brillenträger: 100% The Accuri OTG – auch mit Halterung für Abreißvisiere.

Fußpumpe: Bikers Dream. Geringes Packmaß, wahlweise analoges oder digitales Manometer. Schnell und kraftsparend.


Fotos: Copyright, Agentur jeschke . Gesellschaft für Kommunikation mbH